Industrietelefone in Häfen, Bergbau- und Produktionsanlagen, entlang von Bahnstrecken, in Außenprozessbereichen und an anderen exponierten Standorten arbeiten unter einigen der härtesten Bedingungen eines industriellen Kommunikationssystems. Nach Gewittern treten häufig Offline-Telefone, analoge Leitungen ohne zuverlässige Abhebeerkennung, ausgefallene Ethernet-Ports an SIP-Endgeräten, fehlerhafter PoE-Betrieb und in schweren Fällen der gleichzeitige Ausfall mehrerer Geräte am selben Switch oder Kommunikationspfad auf.
Erfahrungen aus der Feldwartung zeigen, dass viele dieser Ausfälle nicht vom Telefon selbst verursacht werden. Häufiger dringen transiente Überspannungen über lange Kupfer-Kommunikationsleitungen, PoE-Verkabelung, Stromkreise oder Erdungspfade in empfindliche Elektronik ein. Der Schutz eines industriellen Außentelefons erfordert daher mehr als einen einzelnen Überspannungsableiter. Ein abgestimmtes Konzept sollte Leitungseinführung, SPD-Positionierung, Potentialausgleich und Erdung, Kabelführung, Schutz des Stromversorgungssystems und Gerätestandort als ein Gesamtsystem betrachten.
Warum sind industrielle Außentelefone Blitz und Überspannungen stärker ausgesetzt?
Industrietelefone werden üblicherweise mit höherem Schutz gegen Eindringen, robusteren Gehäusen und größeren Betriebstemperaturbereichen als normale Bürotelefone ausgelegt. Einige Modelle sind zudem für explosionsgefährdete oder staubige Umgebungen vorgesehen. Diese mechanischen und umgebungsbezogenen Schutzmaßnahmen schützen die Kommunikationselektronik jedoch nicht automatisch vor elektromagnetischer Induktion oder transienten Überspannungen.
Der wichtigste Unterschied zwischen Innen- und Außeninstallationen ist die Verkabelungsumgebung. Innenliegende Telefonleitungen sind meist kurz und innerhalb von Gebäuden geführt. Industrielle Außentelefone können dagegen auf Kupferkabel angewiesen sein, die sich über Dutzende oder Hunderte Meter über offene Kabeltrassen, Masten, Werksgrenzen, Stahlkonstruktionen und exponierte Anlagenteile erstrecken. Bei Gewitteraktivität können diese langen leitfähigen Wege erhebliche transiente Spannungen aufnehmen.
Die meisten blitzbedingten Ausfälle erfordern keinen direkten Einschlag in das Telefon. Eine nahe Blitzentladung erzeugt ein sich schnell änderndes elektromagnetisches Feld, das Energie in freiliegende Kupferkabel einkoppeln kann. Gleichzeitig kann in den Boden eingeleiteter Blitzstrom erhebliche Potentialunterschiede zwischen verschiedenen Erdungspunkten erzeugen. Kommunikations- und Stromkabel können dann Teil des Ausgleichspfads werden und empfindliche Niederspannungselektronik schädigenden Strömen aussetzen.
In der Praxis können industrielle Außentelefone über sechs Hauptpfade Überspannungen ausgesetzt sein:
Traditionelle analoge Sprachleitungen aus Kupfer;
Industrielle Ethernet-Datenverkabelung;
PoE-Strompaare;
Unabhängige AC- oder DC-Stromkreise;
Externe akustische/optische Alarme, Relais-Schnittstellen oder Fernsteuerleitungen;
Potentialunterschiede zwischen Metallgehäusen, Kabelschirmen und Erdungssystemen.
Blitz- und Überspannungsschutz muss deshalb als Gesamtsystem behandelt werden. Wird nur eine Schnittstelle geschützt, während andere metallische Pfade ungeschützt bleiben, kann Überspannungsenergie das Gerät weiterhin erreichen.

Welche Überspannungsarten sollten zuerst unterschieden werden?
Bei der Feldwartung werden viele Ausfälle durch transiente Überspannung pauschal als „Blitzschaden“ bezeichnet. Diese Beschreibung ist häufig zu allgemein für eine wirksame Schutzstrategie. Industrielle Kommunikationssysteme sollten verschiedene Überspannungsquellen unterscheiden, weil sich die geeigneten Schutzmethoden erheblich unterscheiden können.
Direkte Blitzeinschläge
Ein direkter Einschlag kann ein Gebäude, einen Kommunikationsmast, eine Kabeltragstruktur, nahe Metallkonstruktionen oder eine freiliegende Leitung treffen. Die dabei auftretende Energie kann extrem hoch sein. Von einem kleinen SPD neben einem einzelnen Telefon kann nicht erwartet werden, ein solches Ereignis allein zu beherrschen. Der Schutz muss mit der äußeren Blitzschutzanlage, den Ableitungen, dem Erdungsnetz und den Blitzschutzzonen des Standorts zusammenwirken.
Induzierte Überspannungen
Induzierte Überspannungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Störungen an industriellen Außentelefonen und können mehr als 80 % der gerätebezogenen Ausfälle bei Gewitterbedingungen ausmachen. Selbst wenn der Blitz in einiger Entfernung auftritt, kann das schnell wechselnde elektromagnetische Feld hochfrequente transiente Spannungen in langen freiliegenden Kupferleitungen induzieren.
Je länger das Kabel, je größer seine exponierte Fläche und je komplexer die umgebende Metallinfrastruktur, desto höher das Potenzial für erhebliche induzierte Überspannungsenergie.
Überspannungen durch Erdpotentialunterschiede
Wenn Blitzstrom in den Boden abgeleitet wird, können verschiedene Punkte eines Standorts kurzzeitig auf unterschiedliche elektrische Potentiale ansteigen. Ein Außentelefon kann lokal geerdet sein, während Gateway oder Switch im Technikraum auf einen anderen Erdungspunkt bezogen sind. Das Kommunikations- oder Stromkabel zwischen den beiden Orten kann dann einen Strompfad zwischen den unterschiedlichen Potentialen bilden.
Dies ist ein Grund dafür, dass eine separate Erdungsverbindung für jedes einzelne Gerät blitzbedingte Ausfälle nicht zwangsläufig verhindert.
Schaltüberspannungen im Stromversorgungssystem
Blitze sind nicht die einzige Quelle transienter Überspannungen. Frequenzumrichter, große Motoren, Schütze, Hochspannungsverteilungen und Schalthandlungen können ebenfalls wiederkehrende elektrische Transienten erzeugen. Diese Überspannungen können eine geringere Amplitude als ein Blitzereignis haben, durch ihre häufigere Wiederholung aber zur Alterung von Stromversorgungsmodulen, zu intermittierenden Kommunikationsfehlern und langfristig zu hörbaren Störungen beitragen.
Ziel eines abgestimmten Schutzsystems ist es, all diese transienten Ereignisse zu beherrschen, bevor übermäßige Energie die Telefonelektronik erreicht.
Wie sollten lange Kupferleitungen analoger Industrietelefone geschützt werden?
Traditionelle analoge Industrietelefone sind besonders gefährdet, weil Telefon, Leitungsspeisung, Rufspannung und Sprachsignale denselben durchgehenden metallischen Kupferpfad nutzen. Lange Außenkabel besitzen keine inhärente galvanische Trennung und können Überspannungsenergie direkt sowohl zum Feldtelefon als auch zum FXS-Port im Technikraum transportieren.
Ein typischer Pfad eines analogen Industrietelefons kann so aussehen:
Analoges Industrietelefon im Außenbereich → Feld-Kupferkabel → Außen-Abzweigdose → Verteiler → FXS-Sprachgateway / PBX
Ohne geeignete Schutzgrenzen kann transiente Energie in beide Richtungen entlang dieses Pfads laufen und sowohl das Telefon als auch die zentrale Sprachtechnik beschädigen.
Ein üblicher Schutzansatz besteht darin, Kommunikationsleitungs-SPDs an geeigneten Kabeleinführungen, Gebäudegrenzen und in der Nähe empfindlicher Geräte zu installieren. Abhängig von Kabellänge und Blitzschutzzonenkonzept können abgestimmte Schutzstufen eingesetzt werden, um Überspannungsenergie schrittweise abzuleiten und die verbleibende Spannung an nachgelagerten Geräten zu begrenzen.
Eine wichtige technische Regel lautet: Ein standardmäßiger AC-Netz-SPD darf nicht als Ersatz für einen Überspannungsschutz verwendet werden, der für analoge Telefonleitungen ausgelegt ist. Strom- und Sprachkreise arbeiten mit unterschiedlichen Spannungen, Impedanzen und Signaleigenschaften. Ein ungeeigneter SPD kann den normalen Telefonbetrieb beeinträchtigen und trotzdem nicht die erforderliche Überspannungsbegrenzung bieten.
Ein SPD in einem analogen Telefonkreis darf Folgendes nicht beeinträchtigen:
FXS-Leitungsspeisung;
Normale Rufspannung;
Abhebe- und Auflegeerkennung;
DTMF-Wahl;
Bidirektionale Sprachübertragung;
Schleifeneigenschaften auf langen Kabelstrecken.
Der Schutz auf der Technikraumseite wird besonders wichtig, wenn ein mehrportiges FXS-Gateway Dutzende Außentelefone versorgt. Eine Überspannung, die über einen Feldkreis eintritt, kann mehr als einen Port beschädigen, wenn ausreichend Energie die Gateway-Elektronik erreicht.
Für blitzgefährdete Standorte, Verbindungen zwischen Gebäuden oder sehr lange freiliegende Kabelstrecken ist ein robusterer Langzeitansatz, durchgehende metallische Pfade soweit praktikabel zu reduzieren. Für den Langstreckenabschnitt kann Glasfaser eingesetzt werden, während die elektrische Umsetzung näher an den Feldgeräten erfolgt. Da Glasfaser keinen leitfähigen Metallpfad bildet, kann sie Überspannungsübertragung durch Induktion und Erdpotentialunterschiede deutlich reduzieren.

Wie sollten SIP-Industrietelefone und PoE-Leitungen geschützt werden?
Der Austausch eines analogen Telefons durch ein SIP-Industrietelefon beseitigt die Überspannungsgefährdung nicht. Ethernet-Twisted-Pair-Kabel bleiben metallische Leiter, und lange Außenstrecken können induzierte Überspannungsenergie ähnlich wie andere Kupfer-Kommunikationsleitungen aufnehmen.
Bei PoE wird das Risiko komplexer, weil Daten und Strom dasselbe Kabel verwenden. Eine einzige Überspannung kann sowohl die Ethernet-Schnittstelle im Telefon als auch den PoE-Port des vorgeschalteten Switches beschädigen.
Ein Ethernet/PoE-SPD sollte zwei grundlegende Anforderungen erfüllen. Erstens darf er keinen unzulässigen Einfügedämpfungsverlust verursachen oder die erforderliche Ethernet-Datenrate beeinträchtigen. Zweitens müssen seine elektrischen Eigenschaften zum eingesetzten PoE-System passen, einschließlich Betriebsspannung und verwendeter Aderpaar-Konfiguration.
Fast Ethernet, Gigabit Ethernet und unterschiedliche PoE-Varianten können beispielsweise verschiedene Anforderungen an die Schutzschaltung stellen. Ein RJ45-Stecker allein bedeutet nicht, dass ein Überspannungsschutz für jede industrielle Ethernet- oder PoE-Anwendung geeignet ist.
Drei Stellen verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Schutz am Kabeleintritt auf der Telefonseite
Wo ein langes Außenkabel in ein Industrietelefon oder einen Feldschrank eintritt, bildet der Eintrittspunkt eine wichtige Überspannungsgrenze. Ein mit dem installierten Netzwerk und PoE-System kompatibler Ethernet/PoE-SPD kann entsprechend dem Blitzschutzzonenkonzept des Standorts am geeigneten Schutzpunkt installiert werden.
Schutz auf Technikraum- oder Switch-Seite
Wo ein Außen-Ethernetkabel in einen Leitstand, Kommunikationsraum oder ein Gebäude eintritt, sollte auch das interne Netzwerk geschützt werden. Ziel ist nicht nur der Schutz eines Telefons, sondern auch zu verhindern, dass eine Überspannung einen PoE-Switch und weitere Geräte derselben Netzwerkinfrastruktur erreicht.
Der Erdungspfad des SPD
Die Auswahl des richtigen SPD ist nur ein Teil der Lösung. Ein langer, aufgewickelter oder unnötig gebogener Erdungsleiter kann die Ableitwirkung erheblich vermindern. Bei hochfrequenten transienten Ereignissen wird die Leiterinduktivität relevant.
Der SPD sollte nahe der vorgesehenen Schutzgrenze installiert und über einen kurzen, direkten und niederimpedanten Pfad mit dem Potentialausgleichssystem verbunden werden, entsprechend der gesamten Elektro- und Blitzschutzplanung des Standorts.
Wenn ein SIP-Industrietelefon Glasfaser für den Kommunikationspfad nutzt, bietet die optische Verbindung eine nützliche galvanische Trennung der Datenübertragung. Telefon oder lokaler Medienkonverter benötigen jedoch weiterhin Strom; der AC-, DC- oder PoE-Strompfad muss deshalb separat bewertet werden.

Was sollte bei Industrietelefonen mit unabhängiger AC- oder DC-Stromversorgung zusätzlich geschützt werden?
Industrielle Außentelefone können über PoE, AC-Netzversorgung oder dedizierte 24-VDC- bzw. 48-VDC-Versorgungen gespeist werden. Wird nur die Kommunikationsleitung geschützt, bleibt bei unabhängiger Stromversorgung des Endgeräts eine klare Schwachstelle.
Industrielle Stromsysteme sind sowohl blitzinduzierten Überspannungen als auch Schalttransienten ausgesetzt. Der Überspannungsschutz auf der Stromseite sollte daher Teil des abgestimmten elektrischen Schutzkonzepts des Standorts sein und nicht als isoliertes Zubehör nur neben dem Telefon betrachtet werden.
Bei Industrietelefonen, die aus einem Feldschrank oder einer zentralen Versorgung gespeist werden, sollte das Design prüfen:
Ob geeignete vorgeschaltete SPDs im Verteilungssystem installiert sind;
Ob zusätzlicher Schutz am Feldschrank oder auf Geräteebene erforderlich ist;
Ob die maximale Dauerbetriebsspannung eines DC-SPD zum tatsächlichen DC-System passt;
Ob Polarität und Erdungsanordnung mit dem Schutzgerät kompatibel sind;
Ob der Ausfallzustand des SPD lokal angezeigt oder aus der Ferne gemeldet werden kann.
In großen Anlagen mit starker Blitzexposition sind abgestimmte Schutzstufen wichtig. Die vorgeschaltete Stufe ist für Ereignisse mit höherer Energie vorgesehen, während der gerätenahe Schutz die verbleibende transiente Spannung weiter begrenzt.
Mehrere voneinander unabhängige SPDs ohne Prüfung ihrer Koordination zu installieren ist nicht zwangsläufig sicherer. Falsch aufeinander abgestimmte Schutzstufen können unerwünschte Wechselwirkungen, abnorme Impedanzen oder unzuverlässigen Betrieb verursachen.
Warum können Erdung und Potentialausgleich wichtiger sein als ein teurerer SPD?
Ein Überspannungsschutzgerät arbeitet, indem es transienter Energie einen kontrollierten niederimpedanten Pfad bereitstellt. Wenn Erdungs- und Potentialausgleichssystem keinen wirksamen Pfad bieten, kann selbst ein leistungsfähiger SPD die Spannung am geschützten Gerät möglicherweise nicht wie erwartet begrenzen.
Ein häufiges Problem an industriellen Außenstandorten ist fragmentierte Erdung. Telefonmasten, Außen-Abzweigdosen, Kommunikationsschränke, SPDs und Switches im Technikraum können jeweils separat geerdet sein, ohne klar abgestimmtes Potentialausgleichssystem.
Bei einem Blitzereignis können diese getrennten Erdungspunkte auf unterschiedliche Potentiale ansteigen. Die daraus resultierende Spannungsdifferenz kann Strom durch Kommunikations- oder Stromkabel treiben, was erklärt, warum Geräte trotz einzelner installierter Überspannungsschützer ausfallen können.
Ein wirksameres Konzept integriert das Industrietelefon und seine unterstützenden Geräte in ein gemeinsames Potentialausgleichs- und Erdungssystem statt jedes Bauteil als separates Schutzproblem zu behandeln.
Wichtige Punkte sind:
Metallgehäuse der Telefone und Schutzgehäuse zuverlässig mit dem Schutzerdungssystem verbinden;
Potentialausgleich für Außenschränke, Abzweigdosen und Metallkonstruktionen vorsehen;
Erdungsverbindungen der SPDs zur Potentialausgleichsschiene so kurz wie praktikabel halten;
Kabelschirme gemäß dem Schirmungs- und Erdungskonzept des Projekts anschließen;
Kommunikationserdung mit dem Blitzschutz-Erdungssystem des Gebäudes koordinieren;
Unnötig große Erdschleifen vermeiden, die Ausgleichsströme und Störungen verursachen können.
Gebäudeübergreifende Kupferverbindungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, da beide Gebäude während eines Blitzereignisses unterschiedliche Erdpotentiale aufweisen können. Wo praktikabel, schafft der Ersatz der metallischen Verbindung durch Glasfaser eine deutlich klarere elektrische Grenze.

Wie beeinflusst die Kabelführung das Blitzrisiko?
Blitzschutz für industrielle Außentelefone ist nicht nur eine Frage der Geräteauswahl. Kabelführung und Installationspraxis können die Menge der in einen Kommunikationskreis eingekoppelten Überspannungsenergie wesentlich beeinflussen.
Lange Kommunikationskabel, die als isolierte Freileitungen oder über große Distanzen außen an großen Stahlkonstruktionen geführt werden, können stärker elektromagnetischer Kopplung ausgesetzt sein. Gute Kabelführung kann dieses Risiko bereits reduzieren, bevor ein SPD berücksichtigt wird.
Unnötige Länge von Außen-Kupferkabeln reduzieren
Wenn bereits ein Glasfaser-Backbone vorhanden ist, kann das IP-Netz zu einem nahegelegenen geschützten Feldschrank verlängert werden, sodass nur eine kurze Kupferverbindung zwischen Schrank und Industrietelefon erforderlich ist. Dies ist im Allgemeinen besser als mehrere hundert Meter freiliegendes Ethernet-Kupfer direkt vom zentralen Technikraum zu verlegen.
Lange parallele Führung mit Hochleistungskabeln vermeiden
Kommunikations- und Stromkabel sollten gemäß den Elektro- und Niederspannungsanforderungen des Standorts geführt und getrennt werden. Unnötig lange parallele Führung mit leistungsstarken Stromkreisen zu vermeiden hilft, elektromagnetische Kopplung und Störungen zu verringern.
Klare Schutzgrenze an Gebäudeeintritten schaffen
Der Punkt, an dem ein Außen-Kupferkabel in einen Leitstand oder ein Kommunikationsgebäude eintritt, bildet eine natürliche Schutzgrenze. SPD-Positionierung, Kabelabschluss, Erdung und Schrankaufbau sollten dort koordiniert werden.
Hohe IP-Schutzart nicht als Überspannungsschutz betrachten
Eine Schutzart IP66 oder IP67 beschreibt Schutz gegen Staub- und Wassereintritt. Sie bedeutet nicht, dass Ethernet-, PoE-, Analog- oder Stromschnittstellen die auf Außenleitungen zu erwartenden Überspannungspegel aushalten.
Ebenso ist ein explosionsgeschütztes Gehäuse in erster Linie dafür ausgelegt, Zündgefahren in klassifizierten Bereichen zu beherrschen. Explosionsschutz darf nicht mit Blitz- oder Überspannungsfestigkeit verwechselt werden.
Welche zusätzlichen Punkte gelten für explosionsgeschützte Industrietelefone?
Wenn ein Industrietelefon in einem explosionsgefährdeten Bereich wie einer petrochemischen Anlage, einer Öl- und Gasanlage, einem Kohlechemie-Standort oder einer Umgebung mit brennbarem Staub installiert wird, muss der Überspannungsschutz auch das Explosionsschutzkonzept erhalten.
Ein normales Kunststoffgehäuse für einen SPD darf nicht einfach in einem explosionsgefährdeten Bereich hinzugefügt werden, und die ursprüngliche Kabeleinführung darf nicht geändert werden, ohne die Auswirkungen auf die zertifizierte Installation zu berücksichtigen.
Ein üblicher technischer Ansatz ist, PoE-Switches, Sprachgateways, Überspannungsschutzgeräte und andere allgemeine Kommunikationsgeräte in einem sicheren Bereich oder einem entsprechend zertifizierten Schrank zu installieren, während das explosionsgeschützte Telefon selbst im explosionsgefährdeten Bereich verbleibt.
Zusätzliche Überspannungsschutzmaßnahmen müssen die ursprünglichen Elemente erhalten:
Explosionsgeschützte Kabeleinführungen;
Anordnung der Dichtverschraubungen;
Integrität des Gehäuses;
Erdungsverbindung;
Durch die Gerätezertifizierung vorgeschriebene Installationsmethode.
Blitzschutz für Telefone in explosionsgefährdeten Bereichen liegt an der Schnittstelle von Kommunikationstechnik, Elektrotechnik und Explosionsschutzanforderungen. Kritische Installationen sollten daher nach der tatsächlichen Zoneneinstufung und dem Blitzschutzkonzept des Standorts geplant werden, statt während der Montage informell verändert zu werden.
Wenn das Telefon nach einem Gewitter noch funktioniert, ist das Schutzsystem dann in Ordnung?
Nicht unbedingt. Überspannungsschutzgeräte sind kumulativer Belastung ausgesetzt. Nach wiederholten Überspannungsereignissen können sich ihre Schutzeigenschaften verschlechtern, obwohl das Telefon weiterhin normal arbeitet.
Transiente Ereignisse mit geringerer Energie können außerdem partielle oder latente Schäden statt eines sofortigen Totalausfalls verursachen. Typische Symptome sind:
Intermittierende Neustarts von SIP-Telefonen;
Instabile PoE-Aushandlung;
Ethernet-Links, die nur mit niedrigerer Geschwindigkeit aushandeln;
Verringerte Rufleistung in analogen FXS-Schaltungen;
Geräusche während Gesprächen;
Fehlverhalten von Relais oder externen I/O-Ports;
Geräte, die während oder nach Gewittern häufiger offline gehen.
An blitzgefährdeten Industriestandorten sollte der Zustand der SPDs Bestandteil der routinemäßigen Kommunikationswartung sein. Die Prüfung kann SPD-Statusanzeigen, Fernmeldekontakte, Klemmenfestigkeit, Erdungsverbindungen, Kabelzustand, Wassereintritt in Schränke und tatsächliche Telefon-Testanrufe umfassen.
Wenn in einem Bereich wiederholt Ethernet- oder FXS-Ports beschädigt werden, löst das ständige Austauschen von Telefon oder Gateway möglicherweise nicht das Grundproblem. Kabellänge, SPD-Positionierung, Erdungspraxis und Erdpotentialunterschiede zwischen den Standorten sollten als Teil des Gesamtsystems überprüft werden.
FAQ
Benötigt ein Industrietelefon mit Schutzart IP66 oder IP67 weiterhin Überspannungsschutz?
Ja. Überspannungsschutz sollte weiterhin entsprechend der Installationsumgebung bewertet werden. IP-Schutzarten definieren den Gehäuseschutz gegen Staub, Wasser und Fremdkörper. Sie schützen Kommunikations- und Stromschnittstellen nicht vor blitzinduzierten Transienten, Erdpotentialunterschieden oder Schaltüberspannungen des Stromnetzes.
Reicht es bei einem SIP-Industrietelefon mit PoE aus, nur den Switch zu schützen?
Nein. Das Außen-Ethernetkabel kann Überspannungsenergie sowohl zum Telefon als auch zum Switch führen. Je nach Kabellänge und Blitzschutzzonen kann Schutz am feldseitigen Kabeleintritt, am Gebäudeeintritt und auf der Technikraumseite erforderlich sein, sodass beide Enden des Stromkreises berücksichtigt werden.
Können analoge Telefonleitungen und Ethernet denselben SPD verwenden?
Sie sollten normalerweise nicht als austauschbare Anwendungen betrachtet werden. Analoge Sprache, Ethernet/PoE und Stromkreise arbeiten mit unterschiedlichen Spannungen, Frequenzen, Impedanzen und Signaleigenschaften. Schutzgeräte sollten speziell für den zu schützenden Stromkreis ausgewählt werden.
Bedeutet Glasfaser, dass ein Industrietelefon keinen Blitzschutz mehr benötigt?
Glasfaser unterbricht den durchgehenden metallischen Datenpfad und reduziert die Überspannungsübertragung durch elektromagnetische Induktion und Erdpotentialunterschiede sehr wirksam. Telefon, Medienkonverter, Switch oder Feldschrank benötigen jedoch weiterhin Strom. Überspannungsschutz auf der Stromseite und Erdung bleiben daher erforderlich.
Ist ein dickerer SPD-Erdungsleiter immer besser?
Der Leiterquerschnitt ist wichtig, aber nicht der einzige Faktor. Bei einem schnellen Transienten können Verbindungslänge, Führung, Biegungen und Induktivität ebenso entscheidend sein. Die Verbindung vom SPD zum Potentialausgleich sollte generell kurz und direkt gehalten werden, wobei der vom Hersteller und im Blitzschutzkonzept des Projekts vorgegebene Leiterquerschnitt verwendet wird.
Sollte ein SPD auch geprüft werden, wenn das Industrietelefon nach einem Gewitter nicht beschädigt wurde?
Für kritische Kommunikationspunkte und blitzgefährdete Bereiche ist eine regelmäßige Prüfung empfehlenswert. Ein SPD kann sich verschlechtern, ohne sofort einen Telefonausfall zu verursachen. Die Prüfung von SPD-Zustand, Erdungspfad, Verdrahtung und tatsächlicher Kommunikationsfunktion kann Probleme vor dem nächsten Überspannungsereignis erkennen.
Der zuverlässige Betrieb industrieller Außentelefone hängt nicht nur vom Endgerät selbst ab, sondern auch von Feldverkabelung, Netzwerkarchitektur, Stromverteilung, Überspannungsschutz und Erdungsplanung. Becke Telecom bietet Industrietelefone, explosionsgeschützte Telefone, SIP-Sprachzugangsprodukte und zugehörige industrielle Kommunikationslösungen einschließlich Geräteauswahl und Systemunterstützung für unterschiedliche Standortbedingungen.