Explosionsgeschützte Telefone, die in petrochemischen Anlagen, Raffinerien, Öl- und Gasanlagen, Bergwerken, Tanklagern, Kraftwerken und anderen gefährlichen Industrieumgebungen eingesetzt werden, sind üblicherweise entweder mit analogen oder SIP-Schnittstellen erhältlich. Von außen mögen die beiden Versionen dasselbe Gehäuse, denselben Hörer, dieselbe Tastatur, dieselben Kabelverschraubungen und dieselbe Montagestruktur verwenden, aber sie verbinden sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Kommunikationssystem.
Ein analoges explosionsgeschütztes Telefon arbeitet als herkömmliches Teilnehmerendgerät, das über eine Telefonleitung mit einer PBX, PABX oder FXS-Schnittstelle verbunden ist. Die meiste Anrufsteuerung wird von der Vermittlungseinrichtung übernommen. Ein SIP-explosionsgeschütztes Telefon arbeitet als IP-Endpunkt: Es wird an Ethernet angeschlossen, verfügt über eigene Netzwerkparameter und registriert sich bei einer IP-TK-Anlage oder einem SIP-Server.
Der Unterschied betrifft mehr als nur das Kabel, das in das Telefon führt. Er ändert, wie Feldpunkte mit Strom versorgt werden, wie Nebenstellen zugewiesen werden, wie das Netzwerk geplant wird, wie neue Endpunkte hinzugefügt werden und wie mehrere Produktionsbereiche oder entfernte Standorte verwaltet werden.
Für Industrieprojekte sollte SIP nicht einfach als Ersatz für analog betrachtet werden. Vorhandene Verkabelung, Netzabdeckung der Anlage, verfügbare Stromversorgung, Projektumfang, zukünftige Erweiterungen und die Kosten für die Anpassung von Betriebsbereichen beeinflussen alle, welche Schnittstelle besser geeignet ist.
1. Wichtige architektonische Unterschiede
Die beiden Architekturen unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie die Kommunikationssteuerung zwischen dem Feldtelefon und dem zentralen System aufgeteilt wird.
Ein analoges Telefon ist am Endpunkt relativ einfach. Nebenstellennummerierung, Rufsignalisierung, Anrufweiterleitung und die meisten Telefondienste werden von der PBX- oder FXS-Ausrüstung übernommen. Das Feldtelefon ist eng mit dem physischen Kabelpaar und dem Teilnehmeranschluss, der diese Leitung versorgt, verbunden.
Ein SIP-Telefon trägt mehr Konfiguration am Endpunkt. Es verfügt über eine Netzwerkidentität, ein SIP-Konto, Serverinformationen, Codec-Einstellungen und andere Parameter, die für den Betrieb im IP-Netzwerk erforderlich sind. Anstatt eine dedizierte analoge Sprachschaltung zurück zur PBX zu verwenden, teilen sich Sprache und Signalisierung die IP-Infrastruktur der Anlage.
| Merkmal | Analoges explosionsgeschütztes Telefon | SIP-explosionsgeschütztes Telefon |
|---|---|---|
| Sprachübertragung | Analoges elektrisches Sprachsignal | Paketbasierte Sprachübertragung über IP |
| Anrufsteuerung | Hauptsächlich durch PBX- oder FXS-Geräte gesteuert | SIP-Signalisierung zwischen Endpunkt und Server |
| Feldanschluss | Telefonpaar | Ethernet |
| Systemschnittstelle | PBX-, PABX- oder FXS-Port | IP-TK-Anlage oder SIP-Server |
| Endpunktidentität | Nebenstellennummer, die einer Leitung oder einem Teilnehmeranschluss zugeordnet ist | SIP-Konto und IP-Netzwerkidentität |
| Endpunktkonfiguration | Normalerweise begrenzt | IP, SIP, Codec, DTMF, VLAN und zugehörige Parameter |
| Erweiterung | Hängt von verfügbaren Kabelpaaren und FXS-Kapazität ab | Hängt vom Netzwerkzugang und der SIP-Plattformkapazität ab |
| Verwaltung | Hauptsächlich auf der PBX konzentriert | Unterstützt mehr Endpunkt- und netzwerkbasierte Verwaltung |
SIP und analog beschreiben die Kommunikationsschnittstelle, nicht die Explosionsschutzfähigkeit des Telefons. Ein SIP-Modell ist nicht grundsätzlich besser für einen Gefahrenbereich geeignet als ein analoges Modell. Explosionsschutzart, Gerätegruppe, Temperaturklasse, Umweltschutz, Zertifizierung und Installationsanforderungen müssen weiterhin mit den für den Feldstandort festgelegten Bedingungen übereinstimmen.
2. Anrufsteuerung und Sprachverarbeitung
Für den Bediener bieten beide Versionen möglicherweise die gleiche grundlegende Erfahrung: Hörer abheben, Nebenstelle wählen, mit der Leitstelle sprechen und auflegen. Der Kommunikationsprozess hinter diesem Hörer ist jedoch recht unterschiedlich.
Analoge Anrufsteuerung
Ein analoges Telefon wird normalerweise an eine FXS-Teilnehmerschnittstelle angeschlossen, die von einer PBX, Telefonvermittlung oder einem analogen Gateway bereitgestellt wird. Die FXS-Seite stellt die Telefonschnittstelle zur Verfügung und erkennt Änderungen in der Leitung, wenn der Hörer abgehoben oder aufgelegt wird.
Die gewählten Ziffern werden über dasselbe Telefonpaar gesendet und von der Vermittlungseinrichtung interpretiert. Die PBX bestimmt das Ziel, erzeugt das erforderliche Rufsignal, wendet die konfigurierten Anrufberechtigungen an und stellt die Sprachverbindung her.
Der größte Teil dieser Logik verbleibt im Geräteraum und nicht im Feldterminal. Das Telefon selbst benötigt normalerweise keine IP-Adresse, kein Benutzerkonto, kein SIP-Passwort und keine Codec-Konfiguration.
Die physikalische Teilnehmerschleife ist daher ein wichtiger Bestandteil des analogen Designs. Leiterquerschnitt, Schleifenwiderstand, Verbindungsqualität, Entfernung, die Eigenschaften des FXS-Ports und die Anforderungen des ausgewählten Telefons müssen bei der Planung langer industrieller Telefonleitungen berücksichtigt werden.
SIP-Anrufsteuerung
Ein SIP-explosionsgeschütztes Telefon ist sowohl ein Telefon als auch ein IP-Netzwerkendpunkt. Nach dem Anschließen und Einschalten registriert es normalerweise eine Nebenstelle oder ein SIP-Konto bei einer IP-TK-Anlage oder einem SIP-Server.
SIP übernimmt die Sitzungssignalisierung. Die Registrierung teilt der Plattform mit, wo der Endpunkt verfügbar ist, während der Anrufaufbau SIP-Nachrichten wie INVITE und die entsprechenden Antworten verwendet. Nachdem der Anruf aufgebaut ist, werden die Sprachmedien normalerweise getrennt über RTP übertragen.
Diese Trennung gibt SIP-Systemen mehr Flexibilität, bedeutet aber auch, dass Telefon und Plattform kompatible Einstellungen benötigen. Je nach Projekt müssen Ingenieure möglicherweise den SIP-Server, das Nebenstellenkonto, die Authentifizierungsmethode, die Codec-Liste, die DTMF-Methode, das Registrierungsverhalten und die Transporteinstellungen bestätigen.
Codec- und DTMF-Überlegungen
Die Auswahl des Sprachcodecs ist wichtig, wenn SIP-Geräte verschiedener Hersteller dasselbe System nutzen. G.711 wird in industriellen LANs aufgrund seiner breiten Kompatibilität und einfachen Sprachverarbeitung häufig verwendet, während andere Codecs gewählt werden können, wenn Bandbreite oder Projektanforderungen dies sinnvoll machen.
Der endgültige Codec sollte an beiden Enden des Anrufs unterstützt werden. Die Tatsache, dass zwei Geräte beide SIP unterstützen, bedeutet nicht automatisch, dass jede Sprachkonfiguration interoperabel ist.
DTMF ist ein weiteres kleines, aber wichtiges Detail. Hotline-Anwendungen, IVR-Systeme, Zugangskontrollen oder andere Dienste können auf Tastentöne angewiesen sein. Je nach Gerät kann DTMF über RFC 4733, SIP INFO oder andere unterstützte Methoden abgewickelt werden. Diese Parameter werden normalerweise während der Systemintegration bestätigt und nicht als Teil der Gefahrenbereichseinstufung behandelt.
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3. Verkabelung, Entfernung und Stromversorgung
In großen Industrieanlagen kann die Feldinfrastruktur einen größeren Einfluss auf die Projektkosten haben als der Preisunterschied zwischen analogen und SIP-Telefonmodellen. Telefonpunkte können über Prozessbereiche, Pumpenräume, Unterstationen, Werkstätten, Tankbereiche, Tunnel und entfernte Betriebsgebäude verteilt sein.
Analoge Feldverkabelung
Analoge Telefone verwenden normalerweise Kupfer-Telefonpaare. Viele bestehende Industrieanlagen verfügen bereits über Telefonverteilrahmen, Mehradrige Kabel, Abzweigdosen, unterirdische Trassen und Ersatzpaare, die sich durch die Produktionsbereiche erstrecken.
Wenn diese Kabelwege weiterhin geeignet sind, können sie weiterhin feste Telefonpunkte versorgen, ohne dass an jedem Standort ein separater Ethernet-Anschluss erforderlich ist. Dies ist ein Grund, warum analoge Telefone in industriellen Sanierungsprojekten (Brownfield) weiterhin relevant sind.
Lange analoge Strecken erfordern dennoch technische Prüfungen. Die maximale nutzbare Entfernung ist kein einzelner universeller Wert; sie hängt vom Leiterquerschnitt, dem Gesamtschleifenwiderstand, der FXS-Schnittstelle, den elektrischen Eigenschaften des Telefons, den Zwischenverbindungen und den vom Gerätehersteller definierten Anforderungen ab.
SIP-Netzwerkinfrastruktur
SIP-Endgeräte verwenden Ethernet, daher benötigen große Anlagen normalerweise eine andere Feldtopologie. Kupfer-Ethernet dient lokalen Verbindungen, während Glasfaser häufig für Backbone-Verbindungen zwischen Gebäuden, Prozessbereichen oder entfernten Kommunikationsschränken verwendet wird.
Industrieswitches können näher an Gruppen von Kommunikationsendpunkten installiert werden, sodass SIP-Telefone die breitere Netzwerkinfrastruktur des Standorts nutzen können, anstatt einzelne Telefonpaare zurück zum zentralen PBX-Raum zu benötigen.
Dies macht die Switch-Platzierung, Glasfaserstrecken, Netzwerkschränke, Uplink-Redundanz und Notstromversorgung zu einem Teil des Telefonsystemdesigns. Ein SIP-Telefon sollte daher zusammen mit dem industriellen Netzwerk betrachtet werden, anstatt als isoliertes Feldgerät spezifiziert zu werden.
Stromversorgungsarchitektur
Analoge und SIP-Systeme können die Stromabhängigkeiten ebenfalls an unterschiedlichen Stellen platzieren.
Je nach Telefon- und PBX-Design kann eine analoge Teilnehmerschnittstelle die erforderlichen Leitungseigenschaften von zentral gespeisten Geräten liefern. Wenn die PBX oder das FXS-System durch USV-Strom abgesichert ist, kann die Verfügbarkeit des Feldtelefons aufrechterhalten werden, ohne neben jedem Endpunkt eine separate Netzstromquelle installieren zu müssen.
SIP-Modelle können je nach Produkt PoE, Gleichstrom oder eine andere zugelassene Stromversorgung verwenden. Bei Verwendung von PoE wird der Ethernet-Switch Teil des Strompfads des Telefons. Kritische Standorte müssen daher die Notstromversorgung für Switches, SIP-Server, Gateways und andere aktive Netzwerkgeräte berücksichtigen.
Der Schnittstellentyp allein bestimmt nicht die Systemverfügbarkeit. Entscheidend ist, ob alle erforderlichen Komponenten im Kommunikationspfad mit dem angemessenen Maß an Strom- und Netzwerkausfallsicherheit ausgelegt wurden.
4. Konfiguration und Netzwerkdesign
Analoge Systeme und SIP-Systeme erzeugen auch unterschiedliche Inbetriebnahme- und Verwaltungsaufwände.
Bei einem herkömmlichen analogen System führen Ingenieure die meiste Konfiguration an der PBX durch. Nebenstellennummern, Anrufberechtigungen, Zugang zu Amtsleitungen, Wahlregeln und andere Telefondienste werden Teilnehmeranschlüssen und dem physischen Verteilungssystem zugeordnet.
Das Feldterminal selbst bleibt relativ einfach. Dies kann bei Installationen praktisch sein, bei denen Wartungsteams bereits mit Telefonverteilrahmen, Kupferpaaren und herkömmlichen Vermittlungssystemen arbeiten.
Ein SIP-Telefon erfordert sowohl Netzwerk- als auch Telefonkonfiguration. Je nach Endgerät und Plattform können übliche Einstellungen Folgendes umfassen:
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Statische IP oder DHCP;
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Subnetzmaske und Standard-Gateway;
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Primäre und sekundäre SIP-Serveradressen;
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SIP-Nebenstelle und Authentifizierungsdaten;
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Codec-Prioritäten;
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DTMF-Methode;
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VLAN-Einstellungen;
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NTP- oder Zeitsynchronisation;
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Wahlregeln;
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Hotline- oder automatische Annahmeeinstellungen;
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Bereitstellungsparameter, falls unterstützt.
Sobald ein Projekt von mehreren Feldtelefonen auf Dutzende oder Hunderte von Endpunkten anwächst, wird die Konfigurationskonsistenz wichtig. Wo von den ausgewählten Geräten und der Plattform unterstützt, können zentrale Bereitstellung, Konfigurationsvorlagen, Endpunktbestände und kontrollierte Firmware-Verwaltung die wiederkehrenden Inbetriebnahmearbeiten reduzieren.
VLAN und QoS
Industrielles Ethernet transportiert selten nur Telefonverkehr. CCTV-Ströme, Ingenieur-Workstations, Geschäftsanwendungen, Zugangskontrollen, drahtlose Infrastruktur und andere Dienste können Teile desselben Netzwerks nutzen.
Ein dediziertes Sprach-VLAN kann Kommunikationsgeräte einfacher verwaltbar machen und sie von nicht verwandtem Datenverkehr trennen. QoS-Richtlinien können Echtzeit-Sprache auch eine angemessene Priorität geben, wenn gemeinsame Verbindungen eine höhere Auslastung aufweisen können.
Beispielsweise kann ein Anlagennetzwerk, das mehrere Kameraströme und große technische Datenübertragungen führt, immer noch ausreichende durchschnittliche Bandbreite haben, aber vorübergehende Überlastungen können Echtzeit-Sprache stärker beeinträchtigen als gewöhnliche Dateiübertragungen. Netzwerksegmentierung und Verkehrspriorisierung tragen dazu bei, die Telefonleistung bei wechselnden Netzlasten vorhersehbar zu halten.
Netzwerksicherheit
Sobald ein Telefon zu einem IP-Endpunkt wird, wird es auch Teil der Netzwerksicherheitsarchitektur des Standorts.
SIP-Konten sollten kontrollierte Anmeldeinformationen verwenden, der Verwaltungszugriff sollte auf die erforderlichen Netzsegmente beschränkt werden, und ungenutzte Dienste sollten deaktiviert werden, wo das Produkt dies zulässt. Sprachnetze können auch durch VLANs, Routing-Richtlinien, Firewalls oder Zugriffskontrollregeln von anderen Anlagendiensten getrennt werden.
Firmware- und Konfigurationsverwaltung werden ebenfalls Teil des Gerätelebenszyklus. Die genauen Sicherheitsfunktionen variieren zwischen den Produkten, daher sollten Anforderungen wie sicherer Verwaltungszugriff, Kontensteuerung, Firmware-Wartung und Netzwerksegmentierung während der Produktauswahl überprüft werden.
5. Erweiterung und Nutzung mehrerer Standorte
Der Unterschied zwischen analog und SIP wird besonders deutlich, wenn eine Anlage neue Gebäude, Prozessbereiche, Unterstationen, Lager oder entfernte Betriebsbereiche hinzufügt.
Eine zusätzliche analoge Nebenstelle erfordert ein verfügbares Kabelpaar zwischen dem Feldpunkt und einer FXS-Schnittstelle. Wenn beim ursprünglichen Design Ersatzpaare und ungenutzte Teilnehmeranschlüsse reserviert wurden, kann die Erweiterung unkompliziert sein. Wenn nicht, sind möglicherweise neue Kabel oder zusätzliche analoge Schnittstellengeräte erforderlich.
Ein SIP-Endpunkt ist weniger auf ein dediziertes Sprachkabel zurück zum Hauptkommunikationsraum angewiesen. Wenn an dem neuen Standort bereits ein industrielles Netzwerk und eine geeignete Stromversorgung vorhanden sind, umfasst die Erweiterung hauptsächlich eine verfügbare Switch-Verbindung, Netzwerkkonfiguration und Kapazität auf der SIP-Plattform.
Kommunikation über mehrere Standorte
Dieser Unterschied wird noch nützlicher, wenn die Kommunikation über eine einzelne Anlage hinausgeht.
Eine Organisation kann eine Raffinerie, ein Lagerterminal, eine Kompressorstation, ein entferntes Lager und ein zentrales Betriebszentrum an verschiedenen Standorten betreiben. Wenn diese Standorte bereits über ein privates IP-Netzwerk verbunden sind, können SIP-Nebenstellen in einer gemeinsamen Nummerierungs- und Kommunikationsumgebung betrieben werden, ohne zwischen jedem Standort eine separate physische Telefonleitung aufbauen zu müssen.
Analoge Feldtelefone können weiterhin teilnehmen. Ihre Teilnehmerleitungen enden lokal an PBX- oder FXS-Geräten, während das IP-Netzwerk die Kommunikation zwischen den Standorten jenseits dieses Punktes übernimmt.
Nummerierung und Endpunktstandort
SIP ändert auch die Beziehung zwischen einer Nebenstelle und ihrem physischen Standort.
In vielen SIP-Systemen ist eine Nebenstelle mit einem Konto verknüpft und nicht dauerhaft an ein physisches Teilnehmerpaar gebunden. Wenn ein Endpunkt an einen anderen zulässigen Netzwerkstandort verschoben wird, kann dieselbe Nebenstelle oft beibehalten werden, ohne die zentrale Kupferverteilung zu ändern.
Analoge Systeme sind normalerweise stärker mit physischen Ports und Kabelpaaren verbunden. Für feste industrielle Telefonpunkte mag dies völlig akzeptabel sein, aber SIP bietet zusätzliche Flexibilität, wenn sich Werkstätten, temporäre Betriebszentralen oder entfernte Standorte im Laufe der Zeit ändern.
6. Modernisierung bestehender Anlagen
Industrielle Kommunikationsupgrades erfordern nicht immer einen vollständigen Feldersatz. Vor der Auswahl einer Migrationsstrategie ist es sinnvoll, drei Fragen zu trennen: ob die vorhandenen Telefone weiterhin geeignet sind, ob die Feldverkabelung noch nutzbar ist und ob die vorhandene PBX den zukünftigen Systemanforderungen entspricht.
Beibehaltung des vorhandenen analogen Systems
Wenn PBX, Telefonverkabelung und explosionsgeschützte Feldendgeräte weiterhin die betrieblichen Anforderungen erfüllen, kann es wenig Nutzen bringen, sie allein zur Änderung des Kommunikationsprotokolls auszutauschen.
Feste Punkte mit stabiler Nummerierung und begrenztem Erweiterungsbedarf sind für diesen Ansatz oft gut geeignet.
Upgrade des Kerns unter Beibehaltung des Feldes
Eine weitere Option besteht darin, analoge Feldtelefone beizubehalten, während die Kernkommunikationsplattform auf IP umgestellt wird.
FXS-Gateways bieten die Teilnehmerschnittstellen, die von standardmäßigen analogen Telefonen benötigt werden, und wandeln Anrufe auf der Netzwerkseite in SIP um. Dies ermöglicht es dem Geräteraum, eine IP-TK-Anlage oder eine SIP-basierte Plattform zu übernehmen, ohne dass sofort jeder Feldendpunkt ersetzt werden muss.
Die Unterscheidung zwischen FXS und FXO ist bei dieser Anwendung wichtig. Ein normales analoges Telefon wird normalerweise an einen FXS-Port angeschlossen, da diese Schnittstelle den teilnehmerseitigen Telefondienst bereitstellt. Ein FXO-Port ist für eine andere Rolle vorgesehen, z. B. zum Anschluss von Geräten an eine analoge Vermittlungsstelle oder Amtsleitung.
Bei Sanierungsprojekten kann dieser Ansatz Änderungen in gefährlichen Produktionsbereichen reduzieren, wo neue Kabelinstallationen, zusätzliche Abzweigdosen, Zugangsgenehmigungen und Stilllegungskoordination erheblich mehr Arbeit bedeuten können als Änderungen im Kommunikationsraum.
Hybride Migration
Viele Anlagen werden phasenweise erweitert und nicht auf einmal umgebaut. Ältere Einheiten können weiterhin analoge Telefone verwenden, während neue Produktionsbereiche von Anfang an mit SIP-Endgeräten ausgestattet werden.
Eine IP-TK-Anlage in Kombination mit geeigneten analogen Gateways kann beide Endpunkttypen unter demselben übergeordneten Nummerierungsplan führen. Neue SIP-Punkte können dann mit der Erweiterung des industriellen Netzwerks eingeführt werden, während vorhandene analoge Endgeräte nur ersetzt werden, wenn der Gerätezustand oder die Projektanforderungen einen Austausch sinnvoll machen.
Dieses phasenweise Modell ermöglicht es auch, Kommunikationsupgrades an geplante Bau- und Wartungsfenster der Anlage anzupassen, anstatt eine einzige große Umstellung zu erfordern.
7. Auswahl der richtigen Schnittstelle
Die praktische Wahl wird normalerweise klarer, wenn das Projektteam zuerst die Infrastruktur und dann die Telefonschnittstelle bewertet.
| Projektbedingung | Zu bewerten |
|---|---|
| Bestehende Anlage mit umfangreicher nutzbarer Telefonverkabelung | Bewerten, ob die vorhandene analoge Infrastruktur weiterbetrieben werden soll |
| Neue Anlage mit werksweitem industriellem Ethernet | SIP-Endpunkte passen normalerweise gut zum Netzwerkdesign |
| Feldtelefone bleiben geeignet, aber die PBX muss ersetzt werden | FXS-Gateways mit IP-Kommunikationskern bewerten |
| Alte und neue Produktionsbereiche arbeiten gemeinsam | Eine hybride analoge und SIP-Architektur in Betracht ziehen |
| Häufige Erweiterungen sind zu erwarten | Netzwerkverfügbarkeit und SIP-Skalierbarkeit stärker gewichten |
| Mehrere Standorte teilen sich bereits ein privates IP-Netzwerk | Zentrale SIP-Nummerierung und standortübergreifende Kommunikation bewerten |
| Ethernet-Verfügbarkeit in der Nähe von Feldpunkten ist begrenzt | Vorhandene analoge Verkabelung kann die einfachere Feldverbindung bleiben |
Neubauprojekte bevorzugen oft SIP, wenn das Kommunikationssystem zusammen mit Glasfaser, industriellem Ethernet, Netzwerkschränken und zentralen IP-Diensten geplant wird. Sanierungsprojekte erfordern eine andere Berechnung, da vorhandene Kabelwege, Stilllegungsfenster, installierte Geräte, Feldbauarbeiten und Stromverfügbarkeit einen größeren Einfluss auf die Gesamtprojektkosten haben können.
Aus diesem Grund sollte die Auswahl auf der vollständigen Kommunikationsinfrastruktur und den Lebenszyklusanforderungen basieren und nicht auf dem Kaufpreis oder dem Alter einer der Telefontechnologien.
FAQ
Benötigt ein SIP-explosionsgeschütztes Telefon einen Internetzugang?
Nein. Ein SIP-Telefon kann vollständig innerhalb eines Firmen-LAN, industriellen Ethernet-Netzwerks, privaten WAN oder einer anderen isolierten IP-Umgebung betrieben werden. Es benötigt lediglich Netzwerkzugang zu der vom Kommunikationssystem verwendeten IP-TK-Anlage oder dem SIP-Server.
Kann ein analoges explosionsgeschütztes Telefon mit einer IP-TK-Anlage verwendet werden?
Ja. Ein FXS-Gateway kann die vom Telefon benötigte analoge Teilnehmerschnittstelle bereitstellen und die Nebenstelle über SIP mit einer IP-TK-Anlage verbinden. Dies ist eine gängige Option, wenn die Feldausrüstung weiterhin nutzbar ist, aber die Kernkommunikationsplattform modernisiert wird.
Was ist der Unterschied zwischen einem FXS- und einem FXO-Gateway?
FXS und FXO bedienen verschiedene Seiten einer analogen Telefonschnittstelle. Ein FXS-Port wird normalerweise an ein normales analoges Telefon angeschlossen und bietet den teilnehmerseitigen Dienst. Ein FXO-Port wird normalerweise an eine analoge Vermittlungsstelle oder Amtsleitung angeschlossen. Analoge explosionsgeschützte Telefone benötigen daher im Allgemeinen FXS-Schnittstellen.
Unterstützt jedes SIP-explosionsgeschützte Telefon PoE?
Nein. SIP definiert die Kommunikationsmethode, nicht die Stromversorgungsmethode. Einige Modelle unterstützen PoE, während andere Gleichstrom oder eine andere zugelassene Spannungsversorgung verwenden. Die erforderliche Stromversorgung sollte anhand des spezifischen Endgeräts und seiner zertifizierten Installationsbedingungen überprüft werden.
Ist SIP explosionsgeschützter als analog?
Nein. Kommunikationsschnittstelle und Explosionsschutz sind getrennte Konstruktionsmerkmale. Die Eignung für den Gefahrenbereich hängt vom zertifizierten Schutzkonzept, der Gerätegruppe, der Temperaturklasse, dem Gehäuse, den Installationsanforderungen und anderen für das Telefon festgelegten Parametern ab.
Können SIP- und analoge explosionsgeschützte Telefone dasselbe Nummerierungssystem teilen?
Ja. Eine IP-TK-Anlage kann SIP-Endpunkte direkt verwalten, während analoge Telefone über kompatible FXS-Gateways angebunden werden. Beide können dann Nebenstellen innerhalb desselben übergeordneten Nummerierungsplans verwenden.
Kann vorhandenes analoges Telefonkabel für ein SIP-Telefon wiederverwendet werden?
Nicht automatisch. Ein normales SIP-Telefon benötigt eine geeignete IP-Netzwerkverbindung. Ob vorhandene Kabel wiederverwendet werden können, hängt vom Kabeltyp, der Topologie, der Entfernung und der für das Projekt ausgewählten Netzwerktechnologie ab. Vorhandene analoge Telefonpaare sollten nicht ohne weiteres als Standard-Ethernet-tauglich angenommen werden.
Sind analoge explosionsgeschützte Telefone veraltet?
Nein. Analoge Telefone bleiben dort praktisch, wo bereits eine zuverlässige Kupfertelefoninfrastruktur, feste Feldpunkte und geeignete PBX- oder FXS-Geräte vorhanden sind. In vielen Industrieprojekten bringt der Austausch eines funktionierenden analogen Endpunkts wenig Nutzen, es sei denn, die übergeordnete Kommunikationsarchitektur erfordert ebenfalls eine Änderung.
SIP- und analoge explosionsgeschützte Telefone sind zwei verschiedene Möglichkeiten, die Feldkommunikation im Gefahrenbereich an das übergeordnete Anlagenkommunikationssystem anzuschließen. Keine Schnittstelle ist automatisch für jedes Projekt geeignet.
Becke bietet explosionsgeschützte Telefone und zugehörige industrielle Kommunikationsausrüstung für SIP- und analoge Anwendungen. Daher können SIP-, analoge und hybride Installationen an die bereits am Standort vorhandene Kommunikationsinfrastruktur angepasst werden.